Im aktuellen Spiegel (Ausgabe 19/07) habe ich noch einen Artikel zur zweiten Sitzung der Islamkonferenz gefunden, den ich im Folgenden kurz zusammenfassen möchte:
Den konservativen Kräften ist es durch die Gründung des Koordinierungsrats der Muslime (KRM) gelungen, zum Ansprechpartner für die deutschen Politiker in Sachen Islam zu werden. Aber sie wollen nicht nur Ansprechpartner sein, sondern auch Macht bekommen. So sagte Bekir Alboga, der Dialogbeauftragte des türkischen Verbandes Ditib, es könne bei der Konfernz nur schnelle Erfolge geben, wenn der Dachverband schleunigst als Religionsgemeinschaft anerkannt werden würde. Unter Experten gibt es keine Zweifel, dass längerfristig die Annerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts angestrebt wird. Dabei gilt es aber u.a. noch folgende Hürden zu meistern:
1.) Die Religionsgemeinschaft muss verbindliche Aussagen über den Glauben machen können.
Der Islam kennt aber keine Instanz, die dies tun könnte.
2.) Die Organisation muss dauerhaft bestehen.
Der KRM ist eine noch sehr junge Institution, bei der fraglich ist, wie lange sie noch
existiert.
Der KRM spielt sich außerdem zunehmend als Alleinvertreter der Muslime in Deutschland auf. So wurde dem Vertreter der alevitischen Glaubensrichtung noch im Fahrstuhl gesagt, er vertrete nicht wirklich den Islam und gehöre daher nicht mit aufs Podium.
Außerdem hat der KRM die in den Arbeitsgruppen erarbeiteten Ergebnisse teilweise nicht akzeptiert, beispielsweise hieß es, man wolle sich zwar zum Grundgesetz bekennen, aber nicht zu deutschen Werten, das sei zu unkonkret.
In der Arbeitsgruppe "Medien und Wirtschaft" wurde eine Studie präsentiert, die behauptet, dass ARD und ZDF verzerrend über den Islam berichten und teilweise eine "Islam-Angst" schüren. Allerdings ist die Studie sehr umstritten, allein schon deswegen, weil Beiträge mitgezählt wurden, in denen über Gewalt im Nahen Osten berichtet wurde. Im Anschluss wurde sogar diskutiert, Journalisten deutscher Medien straffe Vorgaben zu geben, was meiner Meinung nach eindeutig gegen die Pressefreiheit verstoßen würde.
Die Berliner Anwältin Ates beklagte, dass vielen Muslimen die Fähigkeit zur Selbstkritik fehlt:
"Es wird behauptet, die Migranten sind die Opfer und die Mehrheitsgesellschaft die Täter. Bei aller berechtigten Kritik wird die eigene Verantwortung für Missstände geleugnet."
Meiner Meinung nach kann es nicht sein, dass sich Deutschland den Migranten anpassen muss, es muss vielmehr umgekehrt sein: Die Migranten müssen sich an das deutsche Leben anpassen, wobei die Deutschen natürlich Entgegenkommen zeigen müssen.
Der Spiegel-Artikel wendet sich ziemlich gegen die Muslime und es entsteht das Bild, dass der Großteil der in der Islamkonferenz vertretenen Muslime den Integrationsprozess hindert, keine Zugeständnisse machen will, aber immer mehr Rechte haben will. Ob das der Wahrheit entspricht, sei mal dahingestellt...
Ich denke, das war's dann vorerst zur Islamkonferenz. Sollte es noch irgendwelche wichtigen Informationen zu diesem Thema geben, werde ich euch umgehend informieren.
Mittwoch, 9. Mai 2007
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1 Kommentar:
Ich hätte einige Bemerkungen hierzu:
1. "konservative Muslime": Es wird kritisiert, dass konservative Kräfte einen Alleinvertretungsanspruch fordern und dass dadurch "liberale" Kräfte aussen vor bleiben oder gar Aleviten u.ä. nicht berücksichtigt werden. Tatsächlich fände ich es problematisch, wenn areligiöse Menschen oder Menschen einer anderen Religion mitsprechen könnten, wenn es um die eigene geht. Deshalb finde ich es sinnvoll, dass die Moschee als Austragungs- und Versammlungsort der gläubigen Muslime zum Grundbaustein einer Repräsentanz wird. Dass Aleviten nicht dazugehören müssen, zeigen allein die beiden Kirchen. (Es bleibt ohne Erwähnung, dass natürlich dann nur für diejenigen gesprochen werden kann, die in den Moscheen vertreten werden (also nicht 3,3 Millionen))
2. "Werte": Man lese die Zusammenfassung des Interviews mit Navid Kermani, der auch an der Konferenz teilnahm:
http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/624601/
"Bei der Diskussion zum Thema Wertekonsens und freiheitliche Ordnung unter den muslimischen Verbänden sei es nicht um die Akzeptanz des Grundgesetzes gegangen, erklärte Kermani, selber Teilnehmer der Islamkonferenz: "Die Lobeshymnen auf das Grundgesetz hätten Sie einmal hören sollen."
Vielmehr habe man darüber diskutiert, welche Werte es jenseits des Grundgesetzes noch gebe und was diesen Wertekonsens ausmache, äußerte Kermani. Dabei hätten sich die Vertreter des Staates in Widersprüche verwickelt und seien eine genaue Antwort schuldig geblieben..."
3. "straffe Vorgaben für Medien": Letztlich ist es eine Forderung, die nur ein Ersatz dafür stellen soll, dass Muslime eben nicht in den Öffentlichrechtlichen mitbestimmen können, wo aber bspw. Kirchenvertreter sitzen! Wo Pressefreiheit anfängt und wo Gleichberechtigung in der Gesellschaft aufhört, darüber kann man sich natürlich unterhalten, aber so wie das dargestellt wird, ist es ein wenig irreführend, als würden Muslime ein Sonderrecht anfordern..
Tut mir leid, dass es so lang geworden ist..
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